Wie bereits angekündigt, kommt hier noch ein kurzer Bericht vom Willow-Creek-Leitungskongress 2008. Der Kongress fand letzte Woche von Donnerstag bis Samstag in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen statt. Ich war mit 8 Leuten aus meiner Gemeinde dort.
Am Donnerstag und Freitag gab es jeweils vier Referate (9.00-10.30, 11.15-12.45, 14.45-16.15 und 17.00-18.30), am Samstag Morgen dann noch zwei. Vor den Referaten gab es jeweils Worshipzeiten, Anspiele, oder es wurden kurze Filme über verschiedene Arbeitsbereiche der Willow Creek Community Church gezeigt.
Die Band (Schlagzeug, Gitarre, Bass, Klavier, Keyboard) hat super gespielt; geleitet wurde das Ganze von Danny Plett, der auch gleich fünf Sänger mitgebracht hatte. Die konnten alle kein oder kaum Deutsch, hatten aber trotzdem extra für den Kongress eine Menge deutscher Lieder auswendig gelernt.
Den Einstieg machte Bill Hybels mit einem Vortrag über die Frage, wie sehr man die Vision der Gemeinde “owned”. Dabei bezog er sich auf das Bild in Johannes 10 vom Besitzer der Schafe und denen, die nur zum Hüten angestellt werden – der Gemeindeleiter soll nicht bei der ersten Schwierigkeit davonlaufen (wie es diese Schafhirten-Jobber tun würden), sondern er muss so von der Vision für die Gemeinde überzeugt sein, dass er sich auch in harten Zeiten dafür einsetzt.
Das zweite Referat war eigentlich gar keines, sondern ein Interview mit Carly Fiorina, Ex-Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard, das schon letzten Herbst aufgezeichnet worden war. Fiorina erzählte darüber, wie sie in ihrer Arbeit wichtige Entscheidungen traf, und wie dabei bei ihr “Accountability” und “Integrity” immer an oberster Stelle standen. Nach dem Interview berichtete uns Bill, wie Fiorina, die vorher nur oberflächlich religiös gewesen war, in den Monaten nach dem Interview Jesus als Erlöser kennenlernte.
Als dritter redete Patrick Lencioni, Managementberater, über Teams. Er nannte fünf Fehlfunktionen eines Teams (Mangel an Vertrauen, Furcht vor Konflikten, Mangel an Verpflichtung, Vermeidung von Rechenschaft, Gleichgültigkeit gegenüber Ergebnissen) und Wege, wie man diese Probleme überwinden kann.
Lencioni war auch am Freitag Nachmittag nochmal an der Reihe und erklärte, wie man sich ein sogenanntes “thematisches Ziel” – eine Art kurzfristiges Ziel, das in den nächsten 3-12 Monaten oberste Priorität haben soll – setzen und es dann auch erreichen kann.
Den Schluss machte am Donnerstag Michael Herbst von der Uni Greifswald mit einem langen und guten Aufruf dazu, in der Leitungsarbeit das Lehren der Gemeindemitglieder nicht zu vernachlässigen.
Am Freitag und Samstag Morgen sprach der Psychotherapeut Dan Allender über den Charakter eines Leiters – wie man von verschiedenen Personengruppen geprägt wird (Leute, die einen verletzen, die einem Liebe entgegenbringen, die man beneidet etc.), wie man trotz schwerer Fehlschläge weitermachen kann etc. Dabei erzählte er zahlreiche Geschichten aus seinem (ganz schön bewegten) Leben.
Am Freitag Morgen wurde auch ein weiteres Interview gezeigt, diesmal mit Jimmy Carter. Er berichtete über seine Zeit als Präsident, über die Geiselnahme von Teheran, und darüber, wie er sich auch in dieser ganzen Zeit in seiner Gemeinde und für humanitäre Zwecke einsetzte.
Am Freitag Abend ging es um sozialdiakonische Gemeindearbeit – zunächst wurde ein Film über die “Community Care”-Arbeit von Willow Creek gezeigt, durch die Menschen mit Problemen aller Art geholfen wird; danach redeten Monika Deitenbeck-Goseberg und Martin Bühlmann über die Wichtigkeit von diakonischer Arbeit und erzählten ein wenig von ihren Erfahrungen.
Den Abschluss am Samstag machte wieder Bill Hybels. Er nannte verschiedene Methoden, sich selbst motiviert (”inspired”) zu halten, da ohne Motivation gar nichts läuft. Hybels sagte, dass es nicht in erster Linie die Aufgabe anderer Leute ist, einen Leiter zu motivieren, sondern dass dieser selbst Wege finden muss, wie er seinen “inspiration-level” hoch halten kann.
Alles in allem waren die Vorträge echt eine coole Sache. Besonders hilfreich fand ich persönlich die von Patrick Lencioni, da er sehr konkrete Schritte für den Teamaufbau nannte, und die von Bill Hybels, der einfach immer wieder durch seine ehrliche und motivierende Art überzeugt. Außerdem hat es mich gefreut, dass bei diesem Kongress großes Gewicht auf diakonische Arbeit gelegt wurde – ein Aspekt des christlichen Glaubens, der in unseren Kreisen meines Erachtens ruhig noch mehr betont werden dürfte.
Natürlich muss man auch ehrlich sagen, dass man bei solchen Kongressen nur wenige völlig neue Erkenntnisse erhält – das meiste hat man irgendwie / -wo schon mal gehört. Aber so ein Kongress mit 4.500 Leuten motiviert einen sehr dazu, sich Gedanken über die eigene Gemeindearbeit zu machen – was man ändern oder neu einführen könnte -, und man wird einfach dazu ermutigt, nach vorne zu schauen und weiterzumachen, auch wenn die Gemeindearbeit mal schwer fällt.
Gut finde ich es in diesem Zusammenhang auch, dass man sich am Ende des Kongresses auf einer Liste eintragen konnte, wenn man regelmäßig “Ermutigungsmails” erhalten möchte…
Dadurch verpufft der Motivationseffekt des Kongresses nicht schon bald wieder, sondern man wird in regelmäßigen Abständen an das erinnert, was man gehört und sich vorgenommen hat.
Bleibt noch zu sagen, dass alles Organisatorische absolut reibungslos ablief – wie man das von Willow Creek gewohnt ist
-, und dass das Wetter an dem Wochenende in Oberhausen einfach der Knüller war: Sonne, Sonne, und nochmal Sonne! Am Samstag hab ich einfach eine Stunde lang in der Sonne gesessen und gesungen…
Soviel mal zu diesem Kongress – herzliche Gratulation, wenn ihr es bis hierhin geschafft habt; war ja doch ein etwas längerer Eintrag…