Neuer Morgen
März 25, 2008 von bonifratz
Diese Woche gibt es als Ohrwurm mal etwas Deutsches, nämlich das Lied Neuer Morgen von der Hamburger-Schule-Band Blumfeld - einer meiner Lieblingssongs der letzten Monate. Aber nicht nur das Lied finde ich toll, sondern auch das Video gehört zu meinen… sagen wir… fünf Lieblingsmusikvideos aller Zeiten!
Bitteschön:
Inhaltlich fällt der Song unter die Sparte “Ermutigung” (siehe Over The Hill Is Home); der Text richtet sich an alle, die schwierige Zeiten durchmachen und kurz vor dem Aufgeben sind (”Und wenn du denkst, dass du am Ende bist / Und die Leere wie ein Spiegel ist / Du schaust dich an und kommst nicht damit klar” oder “Und an ein neues Glück zu glauben, fällt dir schwer / Es kommt dir vor, als gäb’ es keine Hoffnung mehr”). Für sie heißt es im Refrain: “Gib nicht auf - es kommt ein neuer Morgen / Lass es raus - den Schmerz und deine Sorgen / Mach dich frei - von allen falschen Zwängen / Nimm dir Zeit - und lern dich selber [bzw. das Leben] kennen”.
Das Lied steht in Cm; überhaupt ist die Grundstimmung sehr melancholisch (der “neue Morgen” ist ja noch nicht gekommen). Die Akkorde in den Strophen sind Cm, Ab, G, Cm, Ab, G, Cm, Ab, Cm, Ab, G; im Refrain Cm, Ab, Cm, Ab - soweit harmlos (Tonika, Dur-Parallele der Subdominante, Dominante). Interessant wird es bei der Bridge: Hier klingt harmonisch und textlich schon ein wenig die Hoffnung, der neue Morgen an: “Es [das Leben] lockt dich raus in seinem Licht / Alles erstrahlt in seinem Glanz / Die Sonne streichelt dein Gesicht / Da vorn spielen Kinder mit einem Ball / Und Vögel singen überall: / Gib nicht auf…”. Dazu die Akkorde Cb (völlig tonartfremd, aber dank der gemeinsamen Terz dennoch stark verwandt mit Cm), Cm, Cb, Cm, Cb, Cm, Ab, Amadd#6, worauf wieder der Refrain folgt. Der überraschende Cb-Akkord und die sich langsam höher windenden Arpeggien, die das Klavier spielt, machen den neuen Morgen geradezu greifbar.
Auch das Video unterstreicht den Inhalt ganz ausgezeichnet: Man beachte nur, wie an verschiedenen Stellen Text und Film genau zusammenpassen - so bei “Du siehst dich durch die Straßen geh’n” (0:31), beim ersten “Nimm dir Zeit - und lern dich selber kennen” (1:19), bei “Und deine Freunde könn’n dich nicht versteh’n” (1:45), oder eben in der Bridge, während der der Hund den Kindern begegnet (2:43). Geradezu genial und total unerwartet (wenngleich völlig konsequent) ist aber der Schluss (ca. ab 3:38 ) - der Hund macht sich “von allen falschen Zwängen” frei und lernt das Leben kennen!
In meinen Augen und Ohren ist dieses Stück nicht weniger als ein Meisterwerk… ich hoffe, ihr kommt auch auf den Geschmack! ![]()
Lter, abgefahren! Ich hab ja sone Macke, dass ich beim Hören und Sehen eines Musikvideo den Zusammenhang von Bild und Ton gar nicht beachte, ausser er drängt sich auf. Aber den süssen Hund, der da so einsam und verlassen durch die Welt trottet, mit dem Text in Verbindung zu bringen, darauf wär ich jetzt gar nicht gekommen. Da musstest du mich schon zuerst mal darauf bringen, deinen Kommentar zu Video zu lesen. Dann hab aber auch ich das geschnallt
Gelungenes Lied, muss ich sagen!