Schon wieder eine Woche rum! Ein Lied, das ich euch auch schon seit Monaten vorstellen will, ist Brighter Than Sunshine von dem britischen Sänger-Songwriter Aqualung (eigentlich Matthew Hales). Seht her:
Brighter Than Sunshine ist ein Liebeslied, was bei Pop/Rock-Musik an sich ja keineswegs überraschend ist; allerdings erlebt der Sänger (im Gegensatz zu den Protagonisten der meisten heutigen Lovesongs) die Liebe durchweg positiv – kein Liebeskummer, kein gebrochenes Herz, keine unerwiderte Liebe. So war es zwar in der Vergangenheit („I never saw it happening / I’d given up and given in / I just couldn’t take the hurt again“), aber jetzt läuft alles wie im Märchen („What a feeling in my soul / Love burns brighter than sunshine / Brighter than sunshine / Let the rain fall, I don’t care / I’m yours and suddenly you’re mine / Suddenly you’re mine / And it’s brighter than sunshine“). Das ist doch auch mal schön!
Das Video ist zwar recht aussageschwach, unterstützt den Text aber doch ein wenig, insofern es einen Mann (Aqualung – sieht ein bisschen nerdy aus, ich weiß) und eine Frau zeigt, die sich recht gut zu verstehen scheinen.
Viel wichtiger für die positive Atmosphäre in diesem Song sind aber die wunderschönen Harmonien (hauptsächlich aus Dur-Akkorden bestehend). In den Strophen haben wir D, A, E, B, D, A, E. Da das Lied in B-Dur steht, handelt es sich sozusagen um eine Abfolge von aufeinandergeschichteten Subdominanten, die zur Tonika B führen (also gewissermaßen Dreifach-Subdominante, Doppelsubdominante, Subdominante, Tonika). Es ist genial, wie die Melodie sich dabei überhaupt nicht verändert – Aqualung macht von der engen Verwandschaft von Tonikas (-en? -ae?) und ihren Subdominanten gebraucht.
Im Refrain geht es genau so toll weiter: B, E, G#m, G, F#sus4, F#, F#m, E, Em, B. Hales verwendet die tonartfremden Akkorde G (eine Art umgekehrter Neapolitaner zu F#), F#m (vermollte Dominante als Subdominantenparallele auf E) und Em (vermollte Subdominante), um zu einer fast vollständig chromatischen Akkordfolge zu gelangen (man beachte die Terzen bzw. Quarten der jeweiligen Akkorde: B, B, B, A#, A, G#, G – die Melodie bewegt sich parallel dazu auf der Quintenebene mit D#, D, C#, C#, C#, B, B).
Dagegen wirkt die Bridge mit Em, A, Em, A, Em, A, Em, A, B schon wieder richtig normal!
Schließlich sei noch auf den ausgeklügelten Aufbau des Liedes hingewiesen; achtet mal darauf, wie die einzelnen Instrumente immer zum richtigen Zeitpunkt ein- oder aussetzen, so dass es zu einer ersten Klimax bei der Bridge und dann (nach der ruhigen dritten Strophe) zum abschließenden Höhepunkt bei den letzten Wiederholungen des Refrains kommt.
Alles in allem ein sehr, sehr toller Song! Und wer (wie ich) nicht genug davon kriegen kann: Aqualung hat noch gaaanz viele andere schöne Lieder…